Projekte im Sudan - Das Kulturerhalt-Programm des Auswärtigen Amtes

Einen Schwerpunkt bildet die Unterstützung archäologischer Missionen bei der Konservierung und touristischen Erschließung der drei wichtigsten antiken Stätten im Kernland des afrikanischen Reiches von Kusch: Meroë, Musawwarat es Sufra und Naga. Sie wurden 2007 gemeinsam in die Bewerberliste für das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen.

Archäologische Projekte im Sudan

Deutschland unterstützt im Sudan zahlreiche kulturelle Projekte.
Ziel dieser Projekte ist die Konservierung und touristische Erschließung der drei wichtigsten antiken Stätten im Kernland des afrikanischen Reiches von Kusch: Meroë, Musawwarat es Sufra und Naga. Sie wurden 2007 gemeinsam in die Bewerberliste für das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen. Auch Ausgrabungen an der Festung Gala Abu Ahmed, welche etwa 400 km nordwestlich von Khartum in einer Wüstenlandschaft liegt, fanden in den vergangenen Jahren finanzielle Unterstützung.

Auf dem archäologischen Fundplatz Musawwarat es Sufra führt die Humboldt-Universität zu Berlin  www2.hu-berlin.de/aknoa/ seit mehreren Jahren ein Projekt durch. Ziel es ist, das Hauptmonument des Fundplatzes, die sogenannte Große Anlage, zu konsolidieren und in ihrer antiken Raumstruktur restauratorisch wieder herzustellen.
Dabei leistet das Auswärtige Amt im Rahmen seines Kulturerhalt-Programms einen finanziellen Beitrag, um die Arbeiten zu fördern.
Musawwarat es Sufra ist eine ausgedehnte Ruinenstätte der meroitischen Epoche (ca. 270 v. Chr. bis ca. 350 n. Chr.), die etwa 150 km nordöstlich von Khartum liegt. Das Zentrum von Musawwarat ist die Große Anlage - ein weltweit einzigartiges Sakralensemble, dessen drei teilweise auf Terrassen stehende Tempel von einem Labyrinth miteinander verbundener Höfe, Durchgänge und Rampen umgeben sind.

Das Deutsche Archäologische Institut  www.dainst.org führt schon seit einigen Jahren Konservierungsmaßnahmen an den sog. Königlichen Bädern von Meroë durch.
Die antike Stadt Meroë liegt im Mittleren Niltal im heutigen Sudan etwa 200 km nördlich von Khartum. Vom 3. Jh. vor bis ins 4. Jh. nach Chr. war Meroë die Hauptstadt des afrikanischen Reiches von Kusch, Sitz des Königshauses und der gesellschaftlichen Elite des Landes, die sich am Rand der Wüste in kleinen steilwandigen Pyramiden bestatten ließen.
Neben den Pyramiden sind in Meroë vor allem die sog. Königlichen Bäder eine Besucherattraktion. Mittelpunkt der Anlage ist ein großes, begehbares Wasserbecken, das an drei Seiten von einem offenen Säulenumgang flankiert wird. An der vierten Seite ragt eine Schauwand auf, von der aus das Becken über mehrere verdeckte Röhren mit Wasser gespeist wurde. Hier haben sich wesentliche Teile der prächtigen und farbenfrohen Dekoration erhalten: bunt bemalte Skulpturen aus Sandstein stehen neben Wandeinlagen aus Fayence und dekoriertem Wandverputz. Zudem waren die Ränder des Beckens von Stier-und Löwenköpfen gesäumt, und im Gebäude waren weitere bis zu lebensgroße Statuen aufgestellt. Diese außergewöhnlich gut erhaltene Ausstattung wird durch die konservatorischen Maßnahmen konsolidiert. Sie ist Zeugnis dafür, wie Formen, Themen und Ideen aus dem Mittelmeerraum in Verbindung mit lokalen Traditionen verarbeitet, rezipiert oder modifiziert wurden.

Das Ägyptische Museum Berlin  www.aegyptisches-museum-berlin-verein.de arbeitet derzeit am Projekt, die antike Stadt Naga mit seinen Tempeln und der Hathor-Kapelle zu restaurieren. Diese Stadt soll einmal dem Besucherverkehr zugänglich gemacht werden.
Die antike Stadt Naga liegt etwa 150 km nordöstlich von Khartum in einer unberührten Steppenlandschaft. Bereits im Dezember 2006 wurde nach 10-jähriger Arbeit der Amun-Tempel der Stätte Naga feierlich wiederereröffnet. Das Augenmerk liegt nach Abschluss der Arbeiten am Amun-Tempel nun auf der Restauration der Hathor-Kapelle. Das Gebäude ist seit der Entdeckung im Jahre 1822 eines der bekanntesten Bauwerke des antiken Sudan und ist sogar auf einer Banknote des Landes abgebildet. Die Kapelle steht vor dem Löwentempel und ist wie dieser zu Beginn des 1. Jh. nach Chr. errichtet worden. Die besondere historische Relevanz des Bauwerks liegt darin, dass es das südlichste Zeugnis des Kontakts einer Kultur des afrikanischen Kontinents mit dem römischen Weltreich ist.

Die Universität zu Köln  www.uni-koeln.de/phil-fak/praehist/africa/fst-afrika/deu/index.shtml?sudan erhält aktuell bei ihrem Forschungsprojekt „Die Festung Gala Abu Ahmed“ durch die Deutsche Forschungsgesellschaft  www.dfg.de finanzielle Unterstützung. Die Festung Gala Abu Ahmed liegt mitten in der Wüste, im Wadi Howar, etwa 400 km nordwestlich von Khartum und ca. 110 km westlich des Nils.
Die mit ihren rechteckigen Bastionen und den fünf Meter breiten Mauern sehr imposante, etwa 120 x 180 m große Anlage wurde 1984 von Kölner Forschern entdeckt. Erste archäologische Arbeiten 2002 und 2006 brachten interessante Ergebnisse: Fayence-Fragmente ließen sich der Zeit des Königreichs von Napata (9.-4. Jh. v.Chr.) zuweisen unddeuten auf Kontakte mit Ägypten. Die Funktion des Bauwerks blieb allerdings unklar. Handelte es sich um eine rein militärische Anlage oder diente der Bau auch anderen Zwecken? Mehrmonatige Grabungen im Herbst und Winter 2008/09 lieferten eine Fülle neuer Daten zur Architektur des Baus. So wurden im Innenraum an zwei Stellen Gebäudegrundrisse freigelegt. Dort fanden sich zahlreiche antike Keramikfragmente - neben lokaler Ware ägyptische und sogar griechische Scherben -, ferner Schmuckgegenstände, Metallfragmente, Tierknochen und Steinartefakte (darunter zahlreiche Pfeilspitzen aus Silex). Nach erster Einschätzung gehört auch dieses Fundmaterial in die napatanische Zeit und belegt zudem weitreichende Kontakte. Eine Sichtung der Holzkohlefunde deutet auf eine Savannenvegetation zur Zeit der Besiedlung hin – es war also deutlich fruchtbarer als heute. Vermutlich diente die Anlage der Kontrolle einer Wasserstelle und der Handelswege Richtung Süden, von wo aus Felle, Ebenholz und wohl auch Sklaven nach Norden gebracht wurden.