Ein sudanesischer Schatz : Das Filmarchiv von Gadalla Gubara wurde mit Mitteln des Auswärtigen Amtes digitalisiert

Viva Sara Bild vergrößern (© Gadalla Gubara)

Mit Mitteln des „Kulturerhalt“- Programms des Auswärtigen Amtes konnte ein Teil des filmischen Nachlasses des verstorbenen sudanesischen Regisseurs Gudalla Gubara digitalisiert werden, darunter zahlreiche Dokumentationen und Werbefilme. Einzigartige Zeitzeugnisse, die so der Nachwelt erhalten bleiben.

Gadallah Gubara arbeitete seit den 1940er Jahren bis 2007 als Ton-Kameramann und Regisseur. Er war einer der Pioniere des afrikanischen Kinos und einer der bedeutendsten Filmemacher seiner Zeit im Sudan. Obwohl ihn im Alter das Augenlicht verließ, konnte er dank der Hilfe seiner Tochter Sara auch noch nach Erblindung einen Film drehen.

Mit Unterstützung des Auswärtigen Amt ist ein Teil  des Archivs Gadalla Gubaras nach Berlin geschickt worden, um dort beim Arsenal Institut digitalisiert zu werden. Die in Berlin ansässige Einrichtung fördert  den öffentlichen Diskurs zur Sprache, Geschichte und Zukunft des Films in vielfältigen Formen und bietet umfassende Recherchemöglichkeiten für Kuratoren, Wissenschaftler und Filminteressierte. Das Institut hat sich dabei auch die Vermittlung internationaler Filmkultur zur Aufgabe gemacht.

Dadurch konnte ein großer Teil des Gubara Gadalla Archives gerettet werden, denn das Material war in weiten Teilen u.a. durch das extreme Klima stark angegriffen. Nach dem Tod ihres Vaters lagerte Sara Gadalla die Rollen privat in ihrem Haus. Während des Drehs einer Reportage im Jahr 2007 für den deutschen Fernsehsender ARTE lernten Nadja Korinth und Katharina von Schröder (Arsenal Institut) Gadalla Gubara kennen und wurden so auf sein Filmarchiv aufmerksam. “Die Filmrollen waren in einem staubigen Raum gelagert und durch die extreme Hitze gefährdet. Es hat lang gedauert die Filme zu finden, die noch in einem guten Zustand waren, sie zu sortieren und letztlich für den Transport vorzubereiten.”, so Katharina von Schröder.

Das Archiv enthält  Reportagen, Lehrfilme und dokumentarische Filme der sudanesischen Geschichte auf dem Weg vom Kolonialstaat zur Unabhängigkeit. Das Archiv von Gadalla Gubara besteht aus 300 Rollen (16mm und 35mm), ca. 90% davon befand sich in einem Zustand, der eine Reinigung und anschließende Digitalisierung erlaubte. 2/3 der Filme wurden für das Projekt ausgewählt, nach Berlin geflogen und innerhalb von ca. vier Monaten digitalisiert.

Zur Eröffnung des Sudan Independent Film Festival im Januar 2015 wurde Gadalla Gubaras Dokumentation „Khartoum“, die Einblicke in das öffentliche Leben Khartoums der 70er Jahre gibt, einem breiten Publikum vorgestellt. Im Mai wurde im Goethe-Institut ein weiterer Teil des Filmarchivs von Gadalla Gubara und die Geschichte seiner Tochter Sara im Goethe-Institut zu dem Publikum gezeigt. Darunter bisher noch nie veröffentlichtes Material aus der nicht vollendeten Produktion „Viva Sara“. Der Film erzählte von Saras Leben und wie sie – trotz ihrer Polio-Erkrankung - bei dem internationalen Schwimmwettbewerb Capri-Napoli teilgenommen hat. Wie sie berichtete war es ihr nicht immer einfach aufgrund ihrer Erkrankung, oft wurde sie in ihrer Jugend als „Krüppel“ bezeichnet und gehänselt. Im Schwimmen jedoch fand sie ihre Erfüllung und gewann den 50km langen und im Sudan sehr bekannten Jabal Awliya- Schwimmwettbewerb auf dem Nil in Khartum. In Italien erreichte sie den zweiten Platz nach ca. 12 Stunden im offenen Meer! Später überquerte sie schwimmend den Ärmelkanal und wurde zu einer nationalen Berühmtheit.

Darüber hinaus wurden Werbe- und Lehrfilme aus den sechziger und siebziger Jahren gezeigt, darunter ein Lehrfilm des Verkehrsministeriums über ordnungsgemäßes Autofahren in Khartum. Einblicke in eine andere Zeit, bei der sich das Publikum u.a. beim Anblick des harmlosen Verkehrs in der Hauptstadt verwundert die Augen rieb.  Sara Gadalla Bild vergrößern (© Goethe-Institut Sudan)

“Sudan könnte das heutige Hollywood sein, wenn die Leute mehr Filme produziert und einfach weiter gemacht hätten“, sagt Sara Gadalla etwa schwermütig aber gleichzeitig mit dem Aufruf verbunden: „Wir müssen uns mehr um den sudanesischen Film bemühen!“

Einen besonderen Dank richtete sie dabei an das Auswärtige Amt: „Ohne eure Unterstützung wären zahlreiche Filmrollen und Zeitzeugnisse verloren gegangen.